Von Adina, 12. Dezember 2017

Weihnachtsbaum ökologisch korrekt?

Die Nachfrage nach Weihnachtsbäumen aus ökologischer Waldwirtschaft wächst

Nachhaltiger Weihnachtsbaum Detail Baum oder nicht Baum? Bevor sich umweltbewusste Käufer überhaupt der Frage nähern, wie Pestizid-belastet Weihnachtsbäume sind, stellen sie sich Jahr für Jahr die Grundsatzfrage. Manch einer wirft an Weihnachten zu Gunsten der lieb gewonnenen Tradition ökologische Absichten über Bord und greift unkritisch zum echten Baum. Ganz im Sinne von „einmal im Jahr muss die Umwelt auch an mich denken“. Dieser völlig aberwitzige Leitsatz hält sich hartnäckig und wird im Rausch des weihnachtlichen Konsumstresses gern bemüht.

Allen, die angesichts der Baumfrage etwas verschämt zu Boden blicken, klopfen wir beruhigend auf die Schulter. Laut den Recherchen von Livona, spricht grundsätzlich nichts dagegen, sich für die Festtage frisches Grün ins Haus zu holen. Wer um Baumärkte und Straßenverkaufsstellen einen Bogen macht und auf die perfekt gewachsene Nordmanntanne verzichten kann, denkt im Ansatz schon richtig.

Junge Kiefer in der Sächsischen Schweiz

Herbizide und Fungizide in Nadeln von Weihnachtsbäumen

Bereits im vergangenen Jahr warnte der BUND vor Insekten- und Unkrautvernichtungsmitteln, die der Umweltverband in bedenklichen Mengen in den Nadeln von Fichten und Tannen nachwies. Auch das zur Unkrautbekämpfung eingesetzte Herbizid Atrazin, das in der EU verboten ist, wurde gefunden.

Der WDR berichtete in einer Reportage über deutsche Weihnachtsbaumplantagen über den Einsatz des Total-Herizids Glyphosat. Dieses war durch die Entwicklung gentechnisch veränderter, glyphosat-resistenter Pflanzen in die Kritik geraten. Grund für den Einsatz sind Pilze, die zu unerwünschten Nadelverfärbungen führen. Es handelt sich dabei scheinbar vorrangig um ein ästhetisches Problem. Steht das Unkraut recht hoch unter den Bäumen, begünstigt das ein feuchtes Klima, in dem sich diese Pilze, die allerdings auch zu Nadelschimmel und Nadelverlust führen können, besonders gut vermehren. Treten Pilze trotz Unkrautvernichtung auf, werden diese mit Fungiziden abgetötet. Insektizide kommen gegen Rinde-fressende Schädlinge, wie den Rüsselkäfer oder saugende Insekten zum Einsatz. Aber dabei bleibt es nicht. Für einen raschen Wuchs und intensive Färbung werden Mineraldünger in den Boden gebracht, was Grund- und Oberflächenwasser belastet. Demnächst sollen auch genetisch veränderte Sorten auf den Markt kommen.

Obwohl sich Umweltverbände wie Robin Wood für Ökobäume, die weder mineralisch gedüngt, noch chemisch belastet sind, stark machen, liegt der Anteil an Bio-Weihnachtsbäumen bei gerade mal einem Prozent. Doch die Nachfrage steigt.

Einheimische Weihnachtsbäume bevorzugen

Weihnachtsbaum mit Lichterketten auf StriezelmarktInsgesamt werden für Deutschland jedes Jahr über 25 Millionen Weihnachtsbäume geschlagen und verkauft. Die größten Anbaugebiete liegen in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Rund zehn Prozent werden aus Polen, Österreich und Dänemark importiert. Der Löwenanteil stammt von Monokulturen aus Plantagenanbau, nur 15 Prozent werden im Wald geschlagen. Verkaufsschlager, mit über 50 Prozent, ist die ursprünglich im Kaukasus beheimatete Nordmanntanne. Geschlagen werden die Bäume ab einem Alter von 8 Jahren.

Ein ganz traditioneller heimischer Weihnachtsbaum ist die Fichte. Die zum „Baum des Jahres 2004“ gewählte Weißtanne, zählt in Deutschland zu den gefährdeten Arten, kann aber forstwirtschaftlich, als Weihnachtsbaum, genutzt werden. Feinde der Weißtanne sind die hohe Luftverschmutzung und der Wildverbiss.

Wer die Umweltbilanz durch kurze Transportwege verbessern möchte, sollte zu einheimischen Fichten und Tannen, oder auch zur leider etwas unbeliebten Kiefer, aus durchforsteten Waldgebieten greifen. Nicht heimische Blaufichten und Edeltannen schneiden unter Umweltgesichtspunkten sehr viel schlechter ab. Wer die Möglichkeit hat, und die ergibt sich leider noch sehr selten, schaut sich besser nach ökologisch wirtschaftenden Kulturen um. Dort sind Bäume mit dem FSC-, Naturland- oder Bioland-Siegel erhältlich.

Informationen zu Weihnachtsbäumen aus durchforsteten Gebieten erteilt das örtliche Forstamt. Zur Auflichtung und Verjüngung der Bestände werden jedes Jahr Fichten und Tannen geschlagen und zu sehr günstigen Preisen zum Verkauf angeboten. Auch wilde Kronen und Spitzen von geschlagenen Bäumen können ein schöner Weihnachtsbaum werden. Fragen Sie beim Förster nach!

Junge Nadelbäume im WinterWer auf die Edeltanne nicht verzichten kann, sollte dennoch Ausschau halten, ob in ökologischer Weise produzierte Bäume in seiner Nähe erhältlich sind. Sprechen Sie Verkäufer an, ob diese Öko-Bäume im Angebot haben oder nach entsprechenden Tipps.

Schafe halten Öko-Weihnachtsbaumkulturen frei

Ökologisch produzierte Weihnachtsbäume sind giftfrei. Die Nutzflächen werden mechanisch von Aufwuchs bzw. Unkraut befreit. Schafe sind wählerische Fresser, die die Bäumchen nicht antasten, aber das Gras zwischen den Pflanzen kurz halten, und mit ihren Exkrementen für natürliche Düngung sorgen. Gegen Schädlingsbefall wirken nützliche Insekten, die im Bioanbau Dank des Verzichts auf Pestizide überleben können.

Ein wichtiger Hinweis für die Qualität ist das FSC-Siegel. Der Deutsche FSC-Standard (Forest Stewardship Council) zertifiziert Plantagen nur für die Produktion von Weihnachtsbäumen. Sonstige bestehende, gleichaltrige Reinbestände, wie sie deutschlandweit üblich sind, müssen zu naturnahen Waldbeständen entwickelt werden. Die Kulturen müssen aus mehreren Arten bestehen und dort etabliert worden sein, wo sie das Landschaftsbild möglichst wenig beeinträchtigen. Das Saat-und Pflanzgut darf nur aus pflanzenschutzmittel-armer Produktion stammen. Einheimische Arten werden bevorzugt. Maschinelle Bodenbearbeitung, Düngung und der Einsatz von Pestiziden sind in Weihnachtsbaumkulturen nicht zulässig.

Der Weihnachtsbaum im Topf

Wer sich für einen Weihnachtsbaum im Topf entscheidet, der findet ein breites Angebot vor. Den Baum nach den Festtagen aus zu pflanzen, gelingt allerdings in den seltensten Fällen. Die meisten Bäume sterben nach dem Pflanzen schnell ab. Meist werden frisch gestochene, noch nicht angewurzelte Bäume, die kaum eine Überlebenschance haben, preisgünstig angeboten. Ein im Topf gewachsener oder in der Baumschule regelmäßig verschulter Baum sollte es deshalb schon sein. Prüfen Sie beim Kauf den Wurzelballen, ob er fest, gut durchwurzelt und kompakt ist! Beim herausziehen sollte er auf keinen Fall zerfallen. Es gilt auch zu beachten, dass sich der Baum im Winter normalerweise in der Vegetationsruhe befindet. Die starken Temperaturunterschiede zwischen Außen- und Raumluft versetzen den Baum in Stress, der durch eine langsame Eingewöhnungszeit, auch vor dem wieder nach Draußen bringen, gemildert werden kann. Regelmäßiges Gießen und Besprühen verhindern das Austrocknen.

Bäume mit einem gesunden Wurzelballen wachsen auch im Kübel bis zu einem Jahr gut weiter. Mit dem Auspflanzen kann man im März/April beginnen. Den Wurzelballen sollten sie aber nach wie vor, gut vor Frost schützen. Eine 15 Zentimeter dicke Schicht Mulch kann hier helfen.

Besonders Blaufichten bis 1,20 m sind für den Topf geeignet. Nordmanntannen vertragen durch ihre starke Wurzelbildung das Topfen nicht.

Weihnachtsbäume im Winterwald

Plastik ist keine Alternative

Wer nun überlegt auf einen künstlichen Christbaum zurückzugreifen, sollte sich das gut überlegen. Ein echter Baum ist immer noch besser und umweltverträglicher als ein Kunsttstoffbaum, der am Ende – im Durchschnitt trennen sich Besitzer nach sechs Jahren von ihrem Plastik-Baum – im Müll landet. Meist sind die Produkte auch nicht giftfrei.

Verwertung zu Wärmenergie: Beispiel Neumünster

Grundsätzlich lassen sich Weihnachtsbäume gut zu Humus verarbeiten. Livona stieß aber bei den Recherchen auf andere spannende Entsorgungsaktionen. Besonderes Engagemet zeigt die Stadt Neumünster. Hier werden Weihnachtsbäume durch die Stadtwerke energetisch verwertet und 20.000 Neumünsteraner Fernwärmekunden sowie alle Stromkunden mit der gewonnenen Energie beliefert.

Dafür sammelt Neumünster jedes Jahr 30.000 Weihnachtsbäume, die geschreddert und in der TEV (Thermische Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage) verfeuert werden. Weihnachtsbäume verbrennen im Gegensatz zu Steinkohle und Erdöl CO 2 -neutral. Die Energieausbeute liegt bei ca. 200.000 Kilowattstunden.

Weihnachtsbaum mit echten brennenden Kerzen

20.12.2017
Hier noch eine aktuelle Ergänzung zum Thema „Muss der Weihnachtsbaum ökologisch korrekt sein?“

Der BUND hat im Dezember 2017 die Nadeln von 17 Weihnachtsbäumen testen lassen. Die Weihnachtsbaum-Nadeln wurden von einem unabhängigen Labor auf Rückstände von knapp 140 Pestiziden untersucht. Bei 13 der analysierten Bäume wurden Pestizid-Rückstände gefunden. Den ausführlichen Bericht vom BUND findet Ihr auf der Seite „BUND testet Weihnachtsbäume“. Sehr lesenswert!

Nützliche Tipps zum Weihnachtsbaumkauf:

1. Eine Liste, wo es in Deutschland Weihnachtsbäume aus ökologischer Waldwirtschaft oder aus anerkannt ökologischen Weihnachtsbaumkulturen gibt, bietet Robin Wood an.

2. Der Christbaumverband Baden-Württemberg e.V. vertritt die Interessen von 120 Weihnachtsbaum- und Schnittgrünproduzenten mit einer Fläche von 700 ha in Baden-Württemberg. Der Verein legt nach eigenen Angaben Wert auf umweltschonenden Anbau und verzichtet auf klimaschädliche Ferntransporte.

3. Fragt bei den lokalen Forstrevieren, bzw. regional zuständigen Forstbezirken nach Weihnachtsbaum-Verkäufen, teilweise gibt es auch die Möglichkeit, Bäume selbst zu schlagen

4. Auch Waldbesitzervereinigungen informieren über Christbaumanbieter in der Region (Bayerischer Christbaum)

5. In Sachsen informiert das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft Sachsen (Tradition in Sachsen sind die Weihnachtsbaumaktionen des Staatsbetriebes Sachsenforst, hier kann auch Schmuckreisig erworden werden)

6. Treffpunkt Wald informiert über Termine von Weinachtsbaumverkäufen in den Forstbezirken in ganz Deutschland

7. Adressen von Naturland Höfen, die zertifizierte Weihnachtsbäume verkaufen, gibt es auf der Seite „Einkauf auf dem Hof“

8. Auch der Anbauverband Bioland bietet Tannenbäume in Bio-Qualität an. Eine Liste findet ihr unter Aktuelles „Es weihnachtet bald“

Weihnachtsbaum mit Kugeln und elektrischer BeleuchtungFROHE und FRIEDLICHE WEIHNACHTEN sind allerdings das Wichtigste.

Die wünschen wir Euch schon mal von ganzem Herzen.

4 Antworten auf Weihnachtsbaum ökologisch korrekt?

  1. Heinrich Wiese-Höhmann sagt:

    Guten Tag,
    möchte nur darauf hinweisen, daß es BIO Weihnachtsbäume aus dem Sauerland (im 2.Umstellungsjahr,) auf allen Weihnachtsbaumverkaufsplätzen des Forstbetriebes Wiese-Höhmann auf den Parkplätzen vor den 4 Berliner Ikea -Häusern zu kaufen gibt. Auch auf dem Ikea Parkplatz Rostock und auf dem Ikea Parkplatz Kamen (NRW) gibt es Bio Weihnachtsbäume von sauerländer Bioproduzenten.Nur die mit Bio- Nummern sind gründlich kontrolliert.

    MfG
    H.Wiese-Höhmann

    • Birgit sagt:

      Vielen Dank für ihre Info. Können Sie uns den Satz: „Nur die mit Bio- Nummern sind gründlich kontrolliert.“ etwas genauer erklären?

  2. Sally sagt:

    Danke für die tollen Tipps. Meine Familie verzichtet seit Jahren auf einen Weihnachtsbaum, ob echt oder unecht. Ich habe erst gestern mit der Familie darüber geredet, dass es ja eigentlich unnötig ist, für den Zeitraum von einer Woche, einen Baum aus dem Boden auszuschlagen, um ihn dann in der Wohnung zu platzieren. Dabei erwähnte meine Mutter, dass es auch Leute gibt, die einen Weihnachtsbaum im Topf mieten und diesen dann wieder zurückgeben. Naja, ist bestimmt eine gute Idee. Weihnachtsbäume sind überwiegend sowieso eher etwas, das Kinder benötigen – von daher verzichte ich gern der Umwelt zuliebe darauf 🙂

    Liebe Grüsse

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