Von Adina, 28. Oktober 2015

Dresden kann auch fair

Bewusster Konsumverzicht ist eine Lösung, bei der kommerziellen Hetzjagd an Weihnachten keine Fehler zu machen. Auf der anderen Seite ist der Romantik der fünften Jahreszeit durchaus etwas abzugewinnen – jenseits von buchstäblich sinnlosem Prunk und Plunder. Deshalb will sich auch Livona wieder mit nachhaltigem Weihnachten beschäftigen und schöne alternative Projekte vorstellen. Diesmal steigen wir gleich mit einem ABER ein, denn:

Wenn eine Eventagentur einen fairen Weihnachtsmarkt ausrichtet, werden wir skeptisch. Sollte man getreu dem Motto „der Zweck heiligt die Mittel“ den Veranstaltern wohlwollend auf die Schulter klopfen? Da aber Livona „Hauptsache es wird gemacht“ dann doch nicht ausreicht, haben wir uns mit ‚B2MS‘ – sich selbst als ‚Kollektiv für die richtigen Momente bezeichnend‘ getroffen. Und: Wir mussten uns einiges Sagen lassen.

Dresden hat so viele Weihnachtsmärkte, dass man die Stadt inoffiziell schon zur deutschen Weihnachtshauptstadt erklärt hat. Haben wir noch einen weiteren Weihnachtsmarkt nötig gehabt?

Andrea Zahn: Weihnachten passiert einfach soviel geschmack- und gedankenloser Konsum, dass wir dem etwas entgegensetzen mussten. Wir wollen einfach selber schöne Sachen kaufen, die wir wirklich gern verschenken. Nicht zuletzt ging es uns auch um eine andere, wirklich festliche und weniger konsumorientierte Atmosphäre.

Interviewsituation

Die Dresdner Dreikönigkirche ist 2015 zum 3. Mal Gastgeber für den „Fairen Weihnachtsmarkt“. War das eure Wunschlocation?

Andrea Zahn: Absolut! Das Haus der Kirche war unsere erste Wahl. Wir wollten keine Messeatmosphäre. Die Räume passen einfach zu unserem Konzept und hier sind wir mit offenen Armen empfangen worden.
Josephine Ullrich: Außerdem haben wir hier ein Dach über dem Kopf und sind wetterunabhängig und die zentrale Lage bringt uns Leute, die über den Augustusmarkt auf der Hauptstraße schlendern, in die Gute Stube.

Filzhuete

Andrea Zahn und Josephine Ullrich betreuen im Normalfall Finanzunternehmen. Den Fairen Weihnachtsmarkt stemmen sie als Herzblut-Projekt nebenbei, ohne, dass dabei großer Gewinn abfällt.

Andrea Zahn: Die Organisation des Marktes machen wir zur normalen Arbeit dazu. Wir waren 2013 drei Mütter im Unternehmen und haben uns im Sommer zusammen gehockt und mit der Planung begonnen. Inzwischen ist das Ganze schon fast ein Selbstläufer. Viele kleine Händler oder Produzenten kommen von allein auf uns zu. Wir mussten schon eher etwas zurückfahren, denn zu groß wollen wir auch nicht werden.
Josephine Ullrich: Ich war damals Praktikantin und bin beim Weihnachtsmarkt mit eingestiegen. Inzwischen bin ich fest mit dabei, auch bei der Planung des Weihnachtsmarktes.

Keramikstand

Finanziert wird der Markt über eine Standgebühr, die mit 33 Euro pro Quadratmeter überaus moderat ist. Der schmale Eintrittspreis von 1,50 Euro und ein paar Sponsorengelder kommen dazu.

Josephine Ullrich: Der Rest ist ‚Handarbeit‘. Das gesamte Team der Agentur ist an den beiden Tagen vor Ort. Baut auf, schmückt, packt mit an.

Josephine Ullrich am Schreibtisch

Unter den Händlern finden sich kleinste Manufakturen für Naturkosmetik, Töpferwaren, Schmuck oder Spielzeug. Viele Produzenten sind Einzelkämpfer und verkaufen in kleinen Stückzahlen. Wie passt da Limonaden-Hersteller Lemonaid, der auch vertreten ist, ins Konzept. Wie wählt ihr aus?

Josephine Ullrich: Nicht alle unsere Händler erfüllen die gleichen Kriterien. So sind zum Beispiel nicht alle Produkte Bio-zertifiziert. Am Stand von Lemonaid wird nichts verkauft. Besucher können hier probieren, wie man selber, mit einfachen Zutaten, Limonade macht.
Andrea Zahn: Wir haben einen Katalog mit Zulassungskriterien entwickelt, von denen die Händler mindesten zwei erfüllen müssen. Dazu gehören eine ressourcenschonende Produktion, die Verarbeitung von Bio-und Naturprodukten und die Förderung des Umweltschutzes. Regionalität und fairer Handel sind natürlich die obersten Gebote. Dabei wollen wir mit dem Markt nicht nur erreichen, dass die Händler ihre Waren verkauft bekommen, sondern auch ihr Konzept und ihre Philosophie präsentieren können. Wir wollen auch ein Stück weit zur Vernetzung beitragen. Das sind die kleinen Schritte, die wir zum Großen Ganzen beitragen wollen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Faire Weihnachtsmarkt 2015 findet statt am

Samstag, 12. Dezember 2015 10-19 Uhr
Sonntag, 13. Dezember 2015 12-18 Uhr

in der Dreikönigskirche Dresden-Neustadt, Hauptstraße 23.

Josephine Ullrich rät übrigens zum Besuch am Samstag-Vormittag. 😉
Auch Andrea Zahn hat noch einen Tipp: Unter den vielen ganz kleinen, liebevoll gestalteten Weihnachtsmärkten der Region empfiehlt sie den ‚Quohrener Advent‘ in Kreischa, Ortsteil Quohren, am ersten Adventswochenende.

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