Von Adina, 9. Juli 2015

Ein Naschkater beißt sich durch

Patrick Meinel verkauft Bio-Muffins über den Onlineshop "Muffin Factory"

Dass sein Konzept keine Schnapsidee war – davon zeugt Patrick Meinels Durchhaltevermögen. Ganze vier Jahre hat es gedauert, bis er einen Partner fand, bei dem nicht nur die Chemie, sondern auch das Know How stimmte. Der 25-Jährige Vogtländer ist weder Bäcker, noch treibt ihn die private Leidenschaft zur süßen Kreation, trotzdem hat sich der Jungunternehmer mit der „Muffin Factory“ – einem Onlinehandel für die kleinen Kuchen – selbstständig gemacht. Denn er versteht was vom Verkaufen – schließt er doch in Kürze sein duales Handelstudium in Plauen ab.
Livona hat sich mit Patrick Meinel getroffen. Denn warum ein junger Akademiker in Bio-Muffins macht, haben wir nicht auf Anhieb verstanden. Kurzerhand haben wir den in seiner Heimat Festverwurzelten in die Sächsische Landeshauptstadt gelockt und bei Kaffee und Muffins (natürlich wollten wir wissen, wie die Dinger schmecken) ergründet, was in Patrick und seinem Kuchen steckt.

Junge Leute essen MuffinsWie kommt man als junger Wirtschaftsprofi dazu, Muffins übers Internet zu vertreiben?
Kurz gesagt, ich mag Kuchen und ich liebe die Selbstständigkeit. Ich wollte eben schon immer etwas eigenes Machen und habe mich von Ideen wie „MyMüsli“ inspirieren lassen. Außerdem bin ich mit der Selber-Mach-Mentalität aufgewachsen. Meine Mutter hat immer sehr darauf geachtet, was wir essen, auf gute Zutaten und die richtige Herkunft.

Muffin angebissen

Verkauft werden immer vier Muffins in einer Box, die doch, schlägt man den Versand noch drauf, einen stolzen Preis hat. Wer zählt zu Deinen Kunden?
Zuerst einmal muss man sagen, dass meine Produkte im Bio-Segment immer noch mit zu den günstigsten Zählen. Gekauft wird natürlich eher von jüngeren Leuten, wobei auch schon ältere Damen für ihre Enkelkinder bei mir bestellt haben, die dann allerdings Ärger mit den Müttern  bekamen (Patrick lacht). Eine wichtige Zielgruppe sind Firmenkunden, die Muffins als Geschenke ordern, denn unsere schicken Verpackungen lassen sich personalisieren.

Wenn man sich in den Bäckereien umsieht, entdeckt man nur Muffins, oder wie sie heute meist heißen – Cupcakes – die aus der Form laufen, üppig sind und formvollendet. Die Muffins der Muffin Factory sehen wirklich aus, wie handgemacht. Ist das gewollt?
Das liegt vor allem an den Zutaten. Wir arbeiten weder mit Backmischungen, noch mit chemischen Triebmitteln. Bei uns kommen nur echte Zutaten in den Teig und deshalb sehen unsere Muffins eben nicht aus, wie die aus der Fabrik. Mit Weinstein treiben sie Teige mit richtig viel Zutaten, wie bei uns, nicht unendlich in die Höhe. Trotzdem arbeiten wir auch noch an der Optik. Hier sind wir noch nicht ganz am Ziel.

Muffins genießen

Gebacken werden die Muffins bei Hellers – Dresdens einzigem Biobäcker . Wie kam es zu dieser Partnerschaft?
Ich habe einen Biobäcker gesucht, der Lust auf spritzige Ideen hat, Neues wagt und bereit ist, meine Rezeptideen anzupassen und dann umzusetzen. Das hat ganze vier Jahre gedauert. Bei uns in der Region ist die Dichte an Bio-Betrieben sehr dünn, deshalb musste ich die Sache ausdehnen und unter uns gesagt: Bäcker sind ein spezielles Völkchen, das habe ich bei unzähligen Gesprächen mitbekommen. Nun bin ich froh, mit Thomas Heller einen Partner zu haben, mit dem ich sehr gut zusammenarbeiten kann. Wir haben unzählige Stunden des Probebackens und Verkostens hinter uns und sind immer noch nicht ganz am Ziel, da lässt sich immer noch optimieren. Wir haben ja eine Sommer und eine Winterkollektion – das ist ein ewiger Prozess.

Zu Deiner Philosophie gehört die Verwendung regionaler Zutaten. Dennoch vertreibst Du Deine Produkte übers Internet. Beißt sich das nicht?
In gewisser Weise schon. Aber wenn man wie ich, aus einer Region kommt, in der „gute“ Zutaten und Bioprodukte nicht ohne größeren Aufwand zu haben sind, muss man sich neue Wege erschließen. Ich trage ein Stück weit dazu bei, dass ehrliche, gute Produkte auf modernem Weg an den Kunden kommen.

Zur Zeit verpackst Du alles noch selbst per Hand (selbst das MHD schreibt Patrick noch eigenhändig auf jede Packung). Wie klingt die Zukunftsmusik?
Perspektivisch möchte ich gleich in Dresden verpacken und verschicken lassen. Nicht zuletzt, damit die Muffins noch schneller an den Kunden kommen. Ich gebe eine Haltbarkeit von 10 Tagen an, das ist wenig Zeit, zumal wir auch auf eine Extra-Folienverpackung verzichten. Ich will auch noch mehr mit Gastronomen zusammenarbeiten und später selbst bei uns im Vogtland Produkte direkt verkaufen. Aber jetzt setze ich alle Kraft in den Onlineshop und das Marketing.

Vielen Dank für das Gespräch!

Seit Anfang Juli 2015 ist der Onlineshop der Muffin Factory online. Zur Zeit kann man die Sommerkollektion mit Joghurt-Limette, Orange-Ingwer, Prosecco und in der veganen Variante „Himbeere-Kakao“, die uns übrigens am besten geschmeckt hat, erwerben.

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