Von Adina, 4. März 2013

Experten-Tipps für guten Kaffee

Alltägliche Wissenschaft: Gibt es etwas Ähnliches, was so selbstverständlich unseren Alltag begleitet und doch so mannigfaltig zelebriert werden kann? Man kann es ganz beiläufig handhaben: das kann doch jeder, wird schon werden. Oder man kann daraus eine Kunst machen.

Wenn ich zu Hause „Kaffee koche“, was meist nur am Wochenende geschieht, bin ich selten zufrieden. Obwohl ich inzwischen nur noch zu den „guten Sorten“ aus heimischen Röstereien greife, angerissene Packungen – ich versuche sie nur den Bruchteil einer Sekunde dem Sauerstoff auszusetzen – sehr gut verschnürrt im Kühlschrank aufbewahre und selbstverständlich frisch mahle, bin ich von meinem selbstgebrühten Kaffee wenig beeindruckt. Eine Filtermaschine will ich mir nicht leisten, eine der teurer Automaten erst recht nicht. Außerdem fehlt mir der Platz. Es muss doch auch so gehen. Heißt es nicht, Kaffee, mit der Hand aufgebrüht, sei der Beste (für den Hausgebrauch)?

So gelingt richtig guter Kaffee: Die Tipps vom Experten

Ich habe bisher zwei perfekte Kaffees getrunken. Es war immer die gleiche Marke, der gleiche Ort und die gleiche Situation. Seitdem schwöre ich auf die Begegnung mit dem Kaffeeexperten von Ökotopia auf der jährlichen BioFach. Dafür allein lohnt es sich, nach Nürnberg zu fahren. Da aber ein Kaffee im Jahr etwas wenig ist, habe ich den Profi nach seinen Tipps, wie ich einen richtig guten Kaffee zu Hause machen kann, befragt:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Der Experte empfiehlt für das Kaffeemachen von Hand also drei Möglichkeiten: Die Stempelmethode mit der French-Press, den Handaufguß mit einem Keramikfilter oder das Kochen mit einer Bialetti.

Die French-Presse-Methode für selbstgemachten Kaffee

Bei einer French-Press wird kein Filter benötigt. Kaffeekenner schwören, bei der Verwendung normaler Kaffeefilter aus Papier, deren unerwünschtes Eigenaroma herauszuschmecken. In der French-Presse wird der Kaffee mit einem Metallfilter gleichmäßig nach unter befördert, wobei nur die festen Bestandteile des Kaffees gefiltert werden, ätherische Öle, als Geschmacksträger, bleiben erhalten. Vor der Benutzung sollte die Kanne möglichst warm sein. Für die Zubereitung werden 50-60g Kaffee pro Liter Wasser grob gemahlen und in der Kanne mit Wasser, das nicht heißer als 95 Grad sein sollte aufgegossen. Nun die Kanne vorsichtig schwenken und den Filter mit Deckel daraufsetzen. Nach etwa 4 Minuten wird der Stempel langsam heruntergedrückt.

Kaffee-Kochen mit der Bialetti

Espressokocher

Bialettikannen werden irrtümlicher Weise unter dem Namen „Espressokocher“ oder „Mokkakannen“ geführt. Die Kännchen aus Aluminium oder Edelstahl für den Hausgebrauch produzieren weder das eine noch das andere. Selbst die Italiener, die in der Regel für den Hausgebrauch solche Caffettiera verwenden, gehen in eine Bar, um einen richtigen Espresso zu trinken. Bei Espresso wird Wasser mit einem Druck von mindestens 9 bar durch sehr fein gemahlenes Pulver aus sehr dunkel gerösteten Bohnen gedrückt. Charakteristisch für einen Espresso ist eine nussbraune Schaumschicht, die Crema. Für Mokka werden sehr fein gemahlenes Kaffeepulver und Zucker oder Gewürze mit der entsprechendenn Menge Wasser (ca. 1 Löffel pro Tasse) in einem Edelstahl- oder Messingkännchen, dem Ibrik, langsam mehrfach wiederholt zum Kochen gebracht.

Espressokocher zerlegtBei einer Bialetti wird Wasser mit einem Maximaldruck von 1,5 bar durch das Kaffeepulver über ein Steigrohr befördert. Gasherde sind dafür am besten geeignet. Hierbei ist entscheidend, wie fein oder grob das Kaffeepulver ist. Ist es zu grob, steigt das Wasser zu schnell auf und der Kaffee bekommt zu wenig Aroma. War das Pulver zu fein oder zu sehr verdichtet, schmeckt der Kaffee verbrannt oder bitter.

Kaffeebrühen mit dem Keramikfilter

Kaffeefilter mit FiltertüteUnkompliziert lässt sich Kaffee auch mit einem Keramikfilter-Aufsatz bzw. Handfilter zubereiten. Der frisch, nicht zu fein gemahlene Kaffee (50-60g pro Liter; 1,5 TL pro Tasse / 150 ml) wird schwallweise mit 90 Grad heißem Wasser aufgegossen, damit das Wasser nicht zu schnell, aber gleichmäßig durchläuft. Zuerst mit wenig Wasser kurz anquellen lassen. In drei bis 4 Minuten sollte das Wasser durchgelaufen sein.

Und wenn Sie es noch genauer wissen wollen, haben wir auf der Biofach ein Video aufgenommen, in dem Sie erfahren, was Sie schon immer über die Zubereitung eines perfekten Cappuccino wissen wollten. Einschließlich des perfekten Milchschaums, funktioniert übrigens auch mit Soja-, Hafer- oder Mandel-Drink.

16 Antworten auf Experten-Tipps für guten Kaffee

  1. Doris Markl sagt:

    Ich hatte bis vor Kurzem noch ne Filtermaschine und die Bialetti – hab mir aber vor 3 Wochen jetzt endlcih nen neuen Vollautomat von Bosch gekauft. Muss sagen man schmeckt schon den Unterschied, ich muss aber auch zugeben, dass ich mir meist noch Sonntag morgen die Bialetti gönne!
    Welcher Kaffee nun letztlich der bessere ist, muss jeder für sich entscheiden – manchen schmeckt ja auch der 5L Tetrapack-Wein ausm Discounter! 😉

  2. Vera sagt:

    Ich finde der selbst gemahlene Kaffee mit der guten alten Kaffeemühle schmeckt immer noch am besten! Man hat ein super tolles Aroma und einen klasse Geschmack! Mir hat bis her kein Kaffee so gut geschmeckt wie dieser 🙂 Aber hier sind wirklich sehr interessante Tipps zusammengefasst! Ich denke davon werde ich mal was ausprobieren 🙂

    • Birgit sagt:

      Hallo Vera, ganz meiner Meinung. Frisch gemahlener Kaffee von Hand gefiltert, (darauf achten, dass das Wasser nicht mehr kocht, damit die Aromen erhalten bleiben) fertig. So einfach kann guter Kaffeegenuss sein. Entscheidend ist natürlich ein guter Kaffee möglichst in Bio-Qualität.

  3. Karsten Wagner sagt:

    Hallo, also für mich kommt nur ein Espressokocher Edelstahl in frage. Erstens bessere Verarbeitung wie Aluminum und zweitens sieht der noch viel schöner aus. Hier gibts dazu noch mehr Infos: espressokocheredelstahl.de Grüße Karsten

  4. devata sagt:

    Bester Kaffee ist auf jeden Fall nachhaltig angebauter Bio Kaffee! Darauf achte ich nicht nur zu Hause sondern möglichst auch, wenn ich mir unterwegs einen Kaffee kaufe. Zu Hause verwende ich zur Zubereitung auch immer einen Espressokocher aus Edelstahl sowie einen Hand-Milchaufschäumer. Lange habe ich meine angebrochenen Packungen auch immer gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahrt. Nun wurde ich aber eines besseren belehrt, da Kaffee als Geruchsneutraliserer leicht andere Gerüche aufnimmt. Da kann der Kaffee im Kühlschrank schnell mal Käsearomen aufnehmen 😉 Nach dem Aufbrühen verwende ich den Kaffeesatz übrigens als Dünger, Peeling oder Haarmaske (für Volumen). So verschaffe ich meinem Kaffee den hoffentlich größtmöglichen Nachhaltigkeits-Index 🙂

    • Birgit sagt:

      Dein Kommentar klingt ja überaus ambitioniert. Warum habe ich dann bei happycoffee nur einen Kaffee in Bio-Qualität gefunden, dafür aber Kaffeee-Kapseln? Die sind ja nun nicht gerade umweltfreundlich.

  5. Holger sagt:

    Ich danke Ihnen für diesen interessanten Beitrag und das super Video. Siebträgermaschinen gibt es ja auch für den Hausgebrauch. Ich überlege mir eine zuzulegen.

    • Birgit sagt:

      Sie testen und verkaufen Siebträgermaschinen, da werden Sie doch wenigstens eine im privaten Gebrauch haben – oder? 😉 Leider bieten Sie diese, wenn ich es richtig gesehen habe nur über Amazon an, was wir bekanntlich nicht so gut finden. Trotzdem, danke für das Lob!

  6. Chris sagt:

    Ich finde die French-Presse-Methode geschmacklich immer noch am besten. Kapsel Kaffee mit überhöhten Koffein-Mengen sind meiner Meinung nach nicht zu empfehlen zudem auch sehr Umwelt unfreundlich.

  7. Weedy sagt:

    Moin, ich kann dem auch nur zustimmen. Kaffee aus der Stempelkanne ist Top, leicht gemacht und kostet wenig. Je nach Kaffeesorte gefällt der Handaufguss manchmal doch noch besser. Vollautomaten sind eigentlich nur für Leute die nicht wissen wohin mit ihrem Geld. Auch eine Siebträgermaschine ist für die meisten Leute nicht geeignet. Es sei denn man hat mehr Spaß am Kaffee machen statt ihn zu trinken.

    • Birgit sagt:

      Ich hatte gerade mal wieder mit einer Siebträgermaschine geliebäugelt. Je intensiver ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, um so schwieriger wurde eine Entscheidung. Deshalb brühen wir aktuell immer noch mit dem guten, alten Kaffeefilter. Vielleicht gibt es in Kürze einen Milchaufschäumer…

  8. Ayna sagt:

    Das sind mal gute Tipps, danke.

  9. Chris sagt:

    Hallo,
    ein guter Kaffee aus einer Stempelkanne ist wirklich sehr lecker und ist absolut pur. Die Bohnen dann kurz vor dem Brühen auch noch selbst zu mahlen macht es perfekt. Am liebsten trinke ich aber Espresso aus einer vernünftigen Siebträgermaschine. Ist zwar aufwendiger, macht aber auch Spaß.
    Grüße, Chris

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.