Von Adina, 26. November 2012

Glühwein ist besser als sein Ruf – wir geben Tipps zum selber machen

ein Glas mit GlühweinDie vorweihnachtliche Trinkkultur beschert uns zum Jahresende eine Hochkonjunktur des Glühweinkonsum. Diese Phase, in der Glühwein auf Weihnachtsmärkten und im Lebensmittelhandel reißenden Absatz findet, ist kurz, aber intensiv. Das oft harmlos süß schmeckende Heißgetränk hinterlässt nicht selten nachhaltige Erinnerungen und ein paar Kilo mehr auf den Hüften.

Glühwein wärmt nur kurz, aber steigt schnell zu Kopf

Die Beliebtheit des Glühweins in der kalten Jahreszeit unterliegt einem Trugschluss, denn der erwünschte wärmende Effekt ist nur von kurzer Dauer. In kleinen Portionen genossen, kann man tatsächlich etwas Wärme erzeugen, aber grundsätzlich sorgt Ethanol dafür, dass sich die Gefäße der Haut erweitern und wir stärker durchblutet werden, wodurch Wärme über die Haut verloren geht. Getränke ohne Alkohol wärmen besser.

Ein zweifellos schnell zu spürender Effekt, ist der des Alkohols auf die allgemeine Verfassung. Warme Getränke werden über die Mund- und Magenschleimhaut besser aufgenommen als kalte Getränke. Sie wandern besonders schnell aus dem Magen in den Darm und von dort rasch in die Blutbahn, sodass wir die Wirkungen des Alkohols schneller spüren als bei kalten Getränken. Was grundsätzlich beim Genuss von Alkohol gilt, wird auch bei Glühwein geraten. Ein kräftiges Essen und genügend Wasser beugen Nebenwirkungen und einem Brummschädel vor.

hoher Alkohol- und Zuckergehalt

Tatsächlich ist der Alkoholgehalt im Glühwein sehr hoch. Mit 8-14 Prozent liegen die meisten Angebote weit über dem Mindestgehalt von 7 Prozent. Damit steigt er sehr schnell zu Kopf. Alkohol und Zucker sorgen auch für den hohen Brennwert, der Glühwein zu einer Kalorienbombe macht. Im Durchschnitt hat ein Glas Glühwein mit 250 ml Inhalt zwischen 180-200 kcal.

Billig-Glühwein aus dem Supermarkt in Tests relativ gut bewertet

Nicht nur der hohe Zuckeranteil (es gibt keine Regularien, die die maximale Zuckerbeigabe festlegen) bringt fertige Glühweine, die es im Handel schon für unter einem Euro pro Liter gibt, in Verruf. Zucker und künstliche Aromen übertünchen Fehltöne preiswerter Weine. Doch wer grundsätzlich meint, Glühweine aus dem Supermarkt seien minderwertig, den belehren die Werte von Stiftung Warentest überraschend eines Besseren. Die Stiftung testete 2006 Fertig-Glühweine auf ihre Güte und konnte sehr oft die Note „gut“ beim Prüfpunkt „Fuselöle“ feststellen. Entgegen der weitläufigen These, dass Fertig-Glühweine einen hohen Anteil an Fuselstoffen, einem Nebenprodukt der alkoholischen Gärung, das im Körper zu Giftstoffen abgebaut wird und zu Übelkeit und Kopfschmerzen führen kann, enthielten, konnte Stiftung Warentest Entwarnung geben.

Wovor die Stiftung Warentest warnt, ist der Genuss von fertigem Kinderpunsch: Hier wurden in den Proben große Mengen des Schimmelpilz-Giftes Ochratoxin gefunden. Auch der als kritisch zu beurteilende Zimt-Zusatzstoff Cumarin, der zu Leberschäden führen kann, wurde nachgewiesen. Auch bei Kinderpunsch spielt der hohe Anteil an Zucker eine wesentliche Rolle für die Bewertung. Denn der Anteil an Süße kann weit über dem von Cola oder Limonade liegen.

Zusatzstoffe und künstliche Aromen im Glühwein

Das Thema Zusatzstoffe bestimmt auch die Beurteilung von Glühweinen. Neben dem Konservierungsstoff Sorbinsäure (E200), enthalten fertige Glühweine synthetische Aromastoffe, die zwar als „natürlich“ angegeben werden, aber chemisch hergestellt worden sind. Meist wird nicht mit echten Gewürzen gearbeitet.

Trotzdem ist Glühwein nicht nur eine bedenkliche, sondern auch eine leckere Angelegenheit. Angesichts der sich überschlagenden Vielfalt an Billigangeboten, haben viele aus den Augen verloren, wie einfach es ist, selber Glühwein zu machen und mit der geschmacklichen Vielfalt zu experimentieren. Bei selbstgemachtem Glühwein hat jeder die volle Kontrolle, was er dem Getränk beimischt, vor allem wie viel Zucker, Alkohol und Aromen dabei sind.

Glühwein selber machen ist einfach

Mit Rohrzucker, Agavendicksaft, Stevia oder Honig lässt sich Glühwein alternativ süßen. Zitronen- und Orangenschalen sowie verschiedene Fruchtsäfte, Granatapfelkerne, Mandeln oder Rumrosinen verleihen spezielle Noten. Wer sich auf das eigene Geschick nicht verlassen möchte, dem bietet der Bio-Handel eine ansehnliche Palette an fertigen Gewürzmischungen. (Livona hat vier dieser Glühweingewürze getestet.)

Glühwein muss nicht immer rot sein. Weißer Glühwein, der durch die höhere Säure eine angenehm frische Note hat, wird immer beliebter. Nelken, Zimt, Anis und Vanille dürfen natürlich, ob rot oder weiß, nicht fehlen. Liköre und Brände wie Cointreau, Amaretto, Grappa, Grand Marnier, Rum, oder Cognac eigenen sich zum Verfeinern immer.

Auch für Glühwein guten Wein nehmen

Wählen Sie nicht nur die Zutaten, sondern auch den Wein mit Bedacht aus. Auch bei Glühwein lohnt es sich, auf die Qualität zu achten. Wählen sie einen, den sie auch kalt trinken würden. Allerdings sollte der nicht zu schwer sein, 12 Prozent Alkohol reichen aus und wählen sie keinen Wein, der im Eichenfass gelagert wurde, die holzige Note wird schnell bitter und eignet sich weniger für Glühwein. Wenn Sie die Zeit haben, lassen Sie den Wein mit den Gewürzen über Nacht abgedeckt ziehen. Das Erhitzen sollte langsam erfolgen, um übermäßigen Alkoholverlust zu vermeiden, außerdem verliert Wein, wenn er kocht, wertvolle Aromen und Inhaltsstoffe.

Für alkoholfreie Varianten eignen sich Trauben- oder Beerensaft als Basis, mit den Gewürzen darf man auch hier experimentieren.

Glühwein selber machen: unsere Tipps und Infos

  • Trockenen Rotwein in einen Topf geben und nach belieben Zitronen- und Orangenscheiben, Zimtstangen, Gewürznelken (ca. 3 Stk. für 0,75 Liter Wein), Kardamom und Anis usw. (am besten in Bio-Qualität und fair gehandelt) dazu geben und langsam erwärmen, vom Herd nehmen und ziehen lassen.
  • Wein mit den Gewürzen langsam erhitzen, keinesfalls kochen, wenn der Wein kocht verfliegen Alkohol und die Aromen verändern sich.
  • Wein immer im geschlossenen Kessel zubereiten
  • Wer nicht alle Zutaten im Haus hat oder sich nicht an das selber Mischen heranwagt, kann auf fertige Glühwein-Gewürzmischung von Bio-Herstellern zurückgreifen, hier kann man sicher sein, dass auf künstliche 
Aromatisierung und andere Zusätze verzichtet wurde.
  • Experimentieren sie mit den Aromen und servieren sie doch einmal den schwedischen „Glögg„, mit einem Schuß Rum, Korn oder Wodka und Mandelstiften und Rosinen als Einlage.
  • Traditioneller Punsch, wie ihn die englischen Seefahrer kannten, besteht aus Arrak, Zucker, Zitrone und gekochtem Schwarztee.
  • Der aus Össtereich stammende Jagertee besteht meist aus Rum und einem Obstbrand, Tee, Zucker und winterlichen Gewürzen, ähnlich denen von Glühwein
  • Milder als klassischer Glühwein sind Fruchtglühweine. Sie enthalten meist nur 5,5 Prozent Alkohol. Heidelbeer- oder Kirschwein wird dafür mit Weihnachtsgewürzen aromatisiert.
  • Schnell zubereitet ist Grog: dafür werden in einem Glas zwei Drittel heißes Wasser und ein Drittel Rum mit viel Zucker vermischt.
  • Raffinierter, aber nicht minder heimtückisch, ist Feuerzangenbowle: Hierbei wird über einem Topf, indem ein angesetzter Glühwein mit Rum, Gewürzen, Zitronen- und Orangenschalen erhitzt wird, ein mit Rum getränkter Zuckerhut entzündet, bis der gesamte Zucker aufgelöst ist.
  • Fertige Glühweine halten sich in der verschlossenen Flasche bis zu zwei Jahren, angerissene Flaschen sollten innerhalb von drei Tagen verbraucht werden (in der Zwischenzeit im Kühlschrank lagern).

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