Von Adina, 27. Februar 2015

Aber Fisch essen se‘?

Bei kokku – dem Vegan-Shop aus Dresden – müssen Tiere draußen bleiben

„Weil es eben nicht Wurst ist, was wir essen“, ist ein schon fast zu platter Euphemismus, um ins Thema „vegan“ einzusteigen. Denn wäre es so einfach, würde es kokku, Dresdens ersten veganen Laden nebst aufstrebendem Onlineshop, nicht geben und die Gründer würden in schicken Planungsbüros dem nachgehen, was sie eigentlich gelernt haben.

Paketpacken im kokku-Shop

Scarlett Schieke (30) und Manja Wiesner (31) haben Gartenbau studiert. „Da kriegt man mit, was abgeht, in der Landwirtschaft und Tierhaltung.“ Deshalb kam eine Karriere in keinem der möglichen Berufsfelder mehr in Frage. Auch wenn beide ausstudiert haben, solange Shop und Laden noch am Wachsen sind, arbeiten beide weiterhin in der Gastronomie.

Weniger Leiden dank eines Hype?

Wie lange das noch sein wird, hängt sicher auch vom Hype ab, der das Thema „Veganismus“ seit erstaunlich langer Zeit bei der Stange hält. „Selbst wenn sich der Trend überlebt hat, ein paar bleiben immer übrig, die dieser Ernährungsform nicht nur aus kurzfristigem Interesse folgen, sondern dauerhaft Wert drauf legen, dass keiner für unser Essen leiden muss – weder Menschen, noch Tiere oder die Umwelt.“ Manja Wiesner ist schon lange Vegetarier und ernährt sich nun auch schon viele Monate vegan. Ihrer kleinen Tochter lässt sie die Wahl. Denn natürlich sollen Kinder auch wenn es um Nahrung geht, keinem Zwang ausgesetzt sein. Ein Gutes hat es ohnehin: „Meine Kleine bekommt einfach ein riesiges Spektrum von dem, was man essen kann und möchte, geboten.“ Ein Vorteil, den viele Kinder sicher nicht genießen.

Kühllager

Die Gründerinnen sind überzeugt, aber nicht militant. „100 Prozent geht eh nicht, auch wenn man es wollte, denn man glaubt gar nicht, wo überall „Tier“ drin steckt.“ Scarlett Schieke lebt nicht völlig vegan, doch das Wissen, um das Tierleid geht tief und ist für beide der Hauptantrieb, sich überhaupt mit den Alternativen zu beschäftigen. Bis hin zur Konsequenz, selbst einen Shop für vegane Produkte zu eröffnen. Und was soll man sagen? Es läuft gut. Das erste halbe Jahr ist geschafft. Der Onlineshop wird gut angenommen und in den Laden auf der Fritz-Reuter-Straße in Dresden verirren sich auch schon Kunden. „Im Moment ist es ja noch kein richtiges Geschäft, wer spontan hier rein schneit, kann kaufen, was am Lager ist, oder eben seine Bestellung abholen,“ so Scarlett.

Jede einseitige Lebensweise ist ungesund

Die Frage, ob vegane Ernährung per se Gesund ist, müssen wir mit den Beiden nicht diskutieren. „Natürlich kann es, wenn man nicht aufpasst, zu Mangelerscheinungen kommen – wie bei jeder einseitigen Ernährungsweise. Aber wir haben erlebt, dass viele Leute, die umstellen, plötzlich einfach auch mehr Obst und Gemüse essen und sich besser fühlen. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie hoch allein der Fleischkonsum in Deutschland ist und was wir einsparen könnten, wenn jeder auf nur 150g Fleisch pro Woche verzichten würde: Ganze 2,5 Millionen Kühe weniger müssten mit Unmengen pflanzlicher Kost gemästet und dann geschlachtet werden.“ Manja und Scarlett wollen niemanden belehren, setzten aber hier und da gern die Pike an, um zumindest für eine bewusstere Lebensweise zu plädieren. Und so kann ein Onlineshop zur Gewissenssache und zur Lanze in der Hand werden.

Ausschnitt Onlineshop kokku

Onlineshop kokku

Über Kokku – den Vegan-Shop – vertreiben Manja und Scarlett nur Dinge, so sagen sie, die sie selbst empfehlen können und von denen sie überzeugt sind. Erreichbar ist er unter kokku-online.de.

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