Von Birgit, 18. Juli 2018

Trinkwasser-Test in unserer neuen Küche

Ist das Trinkwasser, was aus unserem Wasserhahn fliest?

Trinkwasser Test in neuer Küche

Leitungswasser = Trinkwasser?

Oder ausführlicher gefragt: Ist das wirklich Trinkwasser, was aus unserem Wasserhahn in der Küche läuft? Diese Frage hatte ich mir schon oft gestellt und nie weiter verfolgt. Versprochen hatte ich das bereits in unserem Test über „St. Leonhards Wasser im Vergleich“. Anlass nun, war das Aufstellen neuer Küchenmöbel einschließlich „nagelneuem“ Wasserhahn. So kann ich den Wasserhahn als Fehlerquelle schon mal ausschalten, dachte ich zumindest.

Vorangestellt möchte ich sagen, dass ich selbstverständlich davon ausgehe, dass die DREWAG in Dresden uns Trinkwasser nach Trinkwasserverordnung bis ans Haus liefert. Aber was passiert in den Wasserleitungen in unserem Haus, einem sanierten Altbau. Kommt das angelieferte Trinkwasser auch 1:1 so aus unserem Wasserhahn?
Nach dem Aufbau unserer neuen Küche und dem Anschluss aller Geräte inkl. Wasserhahn mit allem Zubehör bin ich fest davon ausgegangen.

Wasserhahn in neuer Küche

Auswahl des Testlabors, Test und Testergebnis

Nach einigen Recherchen und einer Fernsehsendung haben wir uns für das Private Institut für Produktqualität aus Berlin entschieden, denn das Testergebnis sollte korrekt sein. Um Fehlerquellen auszuschließen, müsste man eigentlich mehrere Proben in verschiedene Labore schicken und die Ergebnisse vergleichen. Da so ein Trinkwasser-Test ca. 100 Euro kostet, haben wir nur ein Labor ausgewählt.

Auf der Internetseite des Instituts www.wasserschnelltest.de werden verschiedene Wassertests angeboten. Wir haben uns für den „Wasserschnelltest Trinkwasser PLUS“ zum damaligen Preis von 119,- Euro entschieden. Bezahlt wird im Voraus, kurz darauf erhielten wir ein Paket mit allen „Zutaten“ zum Entnehmen unserer Trinkwasser-Probe inklusive ausführlicher Beschreibung.
Für die Trinkwasseranalyse werden zwei Varianten angeboten. Zum einen Wasser testen, welches direkt aus meinem Wasserhahn kommt, zum anderen Wasser testen, das sich in den Rohren der Hausinstallation befindet. Wir haben uns für die erste Variante entschieden und unsere Wasserprobe genau nach Anleitung abgefüllt, verpackt und abgeschickt. Nun hieß es warten.

Trinkwassertest versandfertig

Das Ergebnis sollten wir nach 3-5 Werktagen nach Eingang der Probe im Labor per E-Mail erhalten. Am fünften Werktag habe ich es nicht mehr ausgehalten und angerufen, um zu fragen, wann mit dieser E-Mail zu rechnen ist. Kurze Zeit danach kam das Ergebnis bei uns an.
Die Zusammenfassung unserer Trinkwasseranalyse lautete wie folgt: „Der Nickelgehalt übersteigt den Grenzwert der aktuell gültigen Trinkwasserverordnung. Des Weiteren wurde eine Grenzwertüberschreitung bei der mikrobiologischen Untersuchung „Koloniezahl bei 36 °C“ nachgewiesen. Das Wasser ist damit nicht als Trinkwasser geeignet.“
Empfohlen wurde uns die Kontaktaufnahme mit einem Fachmann für Trinkwasserinstallation, der Hausverwaltung bzw. dem Vermieter.

Ursachen Suche und Problemlösung

Nun fing die Ursachen Suche erst richtig an. Zuerst informierten wir natürlich unsere Hausverwaltung. Von dort erhielten wir die Auskunft: „Wir sollten doch noch eine Wasserprobe an einem anderen Wasserhahn nehmen und analysieren lassen.“ Natürlich auf unsere Kosten! Das löst aber nicht das Problem an der Trinkwasserentnahme in der Küche und Geld zum Fenster hinaus werfen, wollten wir auch nicht.
Also kontaktierte ich den Küchenhersteller mit der Bitte, mir schriftlich mitzuteilen, dass der Wasserhahn der Trinkwasserverordnung entspricht. Damit wollte ich endgültig ausschließen, dass die Nickelbelastung von unseren NEUEN Wasserhahn stammen könnte. Das dauerte!

Trinkwasser-Test in neuer Küche

Parallel dazu schrieb ich alle namhaften Hersteller von Wasser-Armaturen an, mit der Bitte mir mitzuteilen, welche Armatur garantiert nickelfrei ist. Das Ergebnis war ziemlich ernüchternd. Nur ein Hersteller versicherte mir, dass er Mischbatterien für garantiert blei- und nickelfreies Trinkwasser anbietet. Dabei handelt es sich um die GROHE Zero Technologie, die wie folgt beschrieben wird: „GROHE Zero: getrennte innere Wasserwege für blei- und nickelfreies Trinkwasser. Dank der getrennten inneren Wasserwege ist Ihr Trinkwasser blei- und nickelfrei und Sie können es bedenkenlos genießen. Diese Technologie erfüllt sämtliche Trinkwasserverordnungen und ist fest im Auslauf integriert – für Ihre Gesundheit.“

Wir haben uns letztlich für den Kauf der „Grohe Eurosmart Einhand-Spültischbatterie, DN 15, Produktnummer 33281002, in Chrom“ entschieden.
Denn von unserem Küchenhersteller erhielten wir leider keine Antwort. Nach mehrmaligen Nachfragen sagte man uns, dass der Lieferant der Armatur nicht versichert, dass die Mischbatterie der aktuellen, deutschen Trinkwasserverordnung entspricht, bzw. nickelfrei ist. Meiner Bitte, uns doch einfach eine andere Armatur (die diesen Richtlinien entspricht) im Austausch zu senden, wurde nicht entsprochen.

Grohe Armatur Eurosmart Einhand Spültischbatterie

Ich war inzwischen ziemlich wütend über diesen schlechten Kundenservice, der so gar kein Entgegenkommen erkennen lies. Das Problem könnte ja schließlich auch an der Hauswasserleitung liegen. Das ganze zog sich ca. ein Jahr hin! Dann teilte ich dem Küchenhersteller mit, dass wir in Vorleistung gehen, eine neue Armatur, siehe oben, kaufen und einen neuen Trinkwassertest auf unsere Kosten beauftragen. Wenn dieser ohne Befund ausfällt, dann wollten wir wenigstens den Preis der alten Armatur ersetzt haben. Darauf lies sich der Hersteller ein.

Trinkwassertest – mein Fazit

Gesagt – getan. Die zweite Trinkwasseranalyse war ohne Befund, sprich – aus unserem neuen Grohe Wasserhahn kommt tatsächlich Trinkwasser laut Trinkwasserverordnung. Der Küchenhersteller bestand noch auf die Rücksendung der alten Armatur, bevor er uns den Preis dafür erstattete.
Da wir nun wissen, dass auch tatsächlich Trinkwasser aus unseren Küchenwasserhahn läuft, kaufen wir kaum noch Mineralwasser in Flaschen, was eine enorme Erleichterung ist. Nur noch für ganz besondere Anlässe gibt es das „lebendige Wasser von St. Leonhards“ . Was wir bei unserem Test vernachlässigt haben, ist die Wasserbelastung mit Medikamentenrückständen.
Dazu hatte ich einen Mitarbeiter der DREWAG NETZ befragt, die uns mit Trinkwasser beliefern. Er hat zwei Probleme offen angesprochen, einmal der verstärkte Eintrag von Medikamentenrückständen über das Abwasser. Noch hätten sie das im Griff, wie lange das noch so ist, konnte er mir nicht sagen. Das andere Problem ist der starke Nitrateintrag aus der Landwirtschaft. Aktuell weist unser Test noch eine deutliche Unterschreitung des Grenzwertes auf, aber auch dort muss unbedingt etwas passieren, damit unser Trinkwasser nicht weiter mit Nitrat verunreinigt wird, war seine Meinung.

nickelfreies Wasser läuft aus Wasserhahn

Dass sich mein einfacher Trinkwassertest als so langwierig und aufwendig herausstellt, hätte ich nie gedacht. Auch bin ich davon ausgegangen, dass aus allen in Deutschland erhältlichen Armaturen selbstverständlich nickel- und bleifreies Trinkwasser fliest.
Darüber hinaus müssen wir als Bürger und Verbraucher auch unseren Beitrag leisten, damit unser Trinkwasser seine sehr gute Qualität behält. Ganz nach einem meiner Lieblingssprüche: Nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich! Lasst uns darüber ins Gespräch kommen.

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