Von Adina, 8. März 2018

UlStO kreiert Mode aus Kork, steht dabei aber für viel viel mehr

Als wir sie besuchen, ist es eisig kalt in ihrem Atelier. Trotzdem ist Ulrike Stolze, der kreative Kopf hinter UlStO, wahnsinnig froh, dass sie den kleinen Raum im Hinterhaus ihrer Wohnung beziehen konnte. Die Mieten sind horrend in der Dresdner Neustadt. Ein Grund, warum der Laden im Vorderhaus schon Monate leer steht. Ein wenig verwaist ist auch Ulrikes Werkstatt. Den Elektroheizer macht sie ungern an. Deswegen wird hier kreiert, genäht und an Prototypen gewerkelt, wenn die Außentemperaturen ein wenig freundlicher sind. Da wir aber sehen wollen, was bei UlStO so passiert, denn der Raum dient auch als Lager und Versandstation, treffen wir uns nicht im behaglichen Café nebenan, sondern holen uns lieber am Ort des Geschehens kalte Füße.

Zwei Frauen sehen sich eine Korktasche an

Taschen und Accessoires aus Kork

Ulrikes sympathische Wärme hilft uns ein wenig übern Berg und wir erfahren jede Menge Interessantes über das Material Kork und seine Möglichkeiten, über die Fallstricke der Dresdner Kreativwirtschaft und ein Leben mit weniger Konsum – doch das sei nur am Rande erwähnt. Denn richtig. Warum es sich eigentlich dreht, haben wir noch nicht verraten: UlStO ist ein Dresdner Label für Korkprodukte: Taschen, Rucksäcke und Accessoires für Erwachsene und Kids werden von Ulrike erdacht und ortsnah von Hand gefertigt. Neuerdings gehören auch Kork- und Holzschmuck zum Portfolio.

Alle Produkte sind vegan. Außer Kork, als ‚veganes Leder‘ wird auch Recycling-Filz aus Petflaschen verwendet. „Ansonsten versuche ich, Kunststoff zu vermeiden,“ erklärt uns Ulrike. „Doch bevor ich Ösen mit Chrom und Nickel verarbeiten lasse, wähle ich dann doch lieber die Kunststoffvariante.“ Sämtliche Kordeln sind aus Ökotext-Baumwolle. Das Grundmaterial Kork kommt aus Portugal. Ein Familienbetrieb, der selbst auch Kleidung und Taschen aus Kork produziert, liefert die Rohware. „Mit Stoffen aus Kork zu arbeiten, ist keine neue Idee. Im Mittelmeerraum wird schon sehr lange damit gearbeitet. Leider sind die Produkte für meinen Geschmack und wohl auch für den hiesigen Markt zu altbacken. Deswegen kann man mit neuen Ideen hier noch eine Nische besetzen.“

Korktasche

Korktasche von Ulsto

Ulrike Stolze selbst kam über lange Pfade zum Kork. Ihr Weg zur kreativen Modeschöpferin war nicht der direkteste. Eigentlich hat die 27-jährige erfolgreich Maschinenbau studiert und könnte als Frau in einer Männerdomäne eine gut dotierte Stelle besetzen. „Mir fehlen in meiner Branche allerdings die kreativen Möglichkeiten.“ Die fand sie beim Nähen. „Als ich damit anfing, wollte ich kein Leder verarbeiten. Ich bin kein Fleischesser und versuche so wenig wie möglich, Tierisches zu essen und zu nutzen. Aber die Optik von Leder wollte ich unbedingt haben.“

So kam sie irgendwann bei Kork an und faszinierte mit ihren ersten Stücken den Freundes- und Bekanntenkreis, in dem fast niemand wusste, dass man aus Kork auch ‚Klamotten‘ und sogar Schuhe machen kann. „Der Zuspruch war also da.“ Ulrikes Ehemann, der in Dresden promoviert und als Ingenieur arbeitet sowie die Familie unterstützten den Plan, sich selbständig zu machen und, zunächst, einen Onlineshop zu eröffnen. Dabei geht es der Gründerin nicht nur darum, schicke Taschen zu nähen.Es passt einfach zu ihrer Version von bewusstem Konsum. „Klar. Wirklich nachhaltig ist es, gar nicht zu konsumieren. Aber bewusster Konsum ist ein wichtiger Schritt. Es macht einfach Spaß zu sehen, dass die Leute etwas Gutes kaufen, ohne es vielleicht zu wissen.“

Rucksäcke gestapelt

Kork ist ein ’schwieriger Patient‘

Eine schicke Optik und ein praktisches Design reichen dafür leider meist nicht aus. Kork ist hierzulande ein Material aus dem Baumarkt und in anderen Bereichen hoch erklärungsbedürftig. Das fängt schon beim Preis an. „Wenn ich das Doppelte für eine Tasche ausgebe, hebt sich auch plötzlich der Anspruch, den Kunden haben, auf das Fünffache“, erzählt Ulrike.

Rücksäcke aus Kork von UlstoSpricht man potentielle Kunden direkt an, sind sie meist schnell von Nutzen und Qualität überzeugt: Kork ist ein nachwachsendes Naturprodukt, dass sich durch Langlebigkeit auszeichnet. Außerdem unterstützt UlStO eine nachhaltige Wertschöpfungskette und setzt vom Rohmaterial, bis zur Fertigung auf faire und ökologische Produktionsbedingungen. Denken wir an die Haptik des Materials, sollten wir uns von der Baumarktidee lösen, denn zu veganem Leder verarbeitet, ist es samtweich und bleibt trotzdem absolut robust. Jedes Stück ist durch die natürliche Maserung einmalig und individuell. Korkstoff ist hoch reißfest, wasserabweisend und dadurch pflegeleicht. Einen Gang durch die Waschmaschine verträgt es allerdings nicht. Eine sanfte Handwäsche ist aber immer drin.

Accessoires aus Korkstoff

Die Zukunft von UlStO

Ob Ulrike Stolze dauerhaft Erfolg haben wird, weiß sie natürlich nicht. Neben ihrem Onlineshop haben Stores unter Anderem in Dresden und München ihre Produkte im Programm. Auf Messen sollen nun noch mehr Kunden und Händler gefunden werden. Wir drücken die Daumen und hatten uns eigentlich gefreut, dass sich Dresden mit dieser innovativen Triebkraft, von jungen Leuten, denen es nicht um Profit, sondern um das ausleben von Visionen geht, schmücken kann. Pespektivisch wird die gebürtige Thüringerin Dresden aber den Rücken kehren. Es wird wohl Richtung Leipzig gehen. „Hier haben es Kreative einfach leichter.“

Kontakt: Ulrike Stolze
Telefon: 017623230758
E-Mail: info@ulsto.de
Website: www.ulsto.de

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