Von Birgit, 10. September 2018

Welcher Bio-Müll darf in die Bio-Tonne?

Bundesweite Aktionswochen zur Biotonne vom 08. - 29.09.2018

So eine doofe Frage, das ist doch völlig klar. Alle Reste aus der Küche und von meinen Balkon- und Zimmerpflanzen – oder? Das Ganze wird in einem kompostierbaren Müllbeutel aus Bio-Kunststoff gesammelt und dann ab in die Bio-Tonne – oder?

Was darf in meine Biotonne?

Ende August erhielt ich eine Pressemitteilung über die Aktionswochen zur Biotonne unter der Überschrift „Das kann jeder von uns besser: 4,5 Millionen t kompostierbare Abfälle mal eben in die falsche Tonne.“ Glas und Papier trennen wir vorbildlich, beim Biomüll gibt es gewaltigen Nachholbedarf: davon landet die Hälfte – rund 4,5 Millionen Tonnen jährlich in Deutschland – immer noch in der Restmüll– anstatt der Biotonne.

Inhalt eines Bio-MülleimersWählen wir die richtige Tonne, ersetzt der daraus hergestellte Kompost auf dem Acker und in Gärten große Mengen an Kunstdünger und klimaschädlichem Torf. Manche Regionen produzieren aus Bioabfall Strom und Wärme – einfacher kann Klimaschutz nicht sein. Unterstützt wird die Septemberaktion von Bundesumweltministerium, NABU, Landesumweltministerien, Abfallverbänden, dem Einzelhandel, Landkreisen und Kommunen.

Warum nun das Ganze? – Offensichtlich trennen wir unseren Biomüll mal wieder falsch. Weil ich das für mich nicht so recht glauben konnte, habe ich gleich mal den Online-Check „Was darf in meine Biotonne?“ auf www.aktion-biotonne-deutschland.de absolviert. Beim Lesen der Infografik „Was darf in die Biotonne? Mehr als 100 Abfälle aus Küche & Garten“ bin ich in der mittleren Spalte „Darf nicht überall in die Biotonne – frage Deine lokale Abfallberatung“ über „Knochen/Innereien“ und „kompostierbare Bioabfallbeutel aus Biokunststoffen“ gestolpert.

Stadtreinigung Dresden Info Bioabfall allgemeinWieso sollten kompostierbare Bioabfallbeutel nun wieder nicht in die Biotonne dürfen? Also schrieb ich eine E-Mail an die Stadtreinigung in Dresden und bekam kurz darauf einen Anruf. Die Antwort lautete sinngemäß: „In Dresden sollten wir keine kompostierbaren Abfallbeutel aus Biokunststoff verwenden, weil sich die Bioabfälle in der Kompostierungsanlage innerhalb von 2 Monaten zersetzt haben müssen. Das schaffen die Biomüllbeutel und dieser oder jener Knochen nicht.

Dadurch entstehen höhere „Reststoffmengen“ im Kompost, der dann (wenn mehr als 10 % Reststoffe enthalten sind) nicht als solcher verwendet werden darf.“ Die Mitarbeiterin verstand auch nicht warum diese Art Müllbeutel noch, als kompostierbar verkauft werden. Ich auch nicht, deshalb fragte ich nun bei dm nach. Hier steht eine Antwort noch aus.

Ergänzung vom 14.08.2018:
Heute erhielt ich die Antwort von dm, die wie folgt lautet:

„Ihre Anfrage an dm-drogerie markt
Sehr geehrte Frau Ittershagen-Hammer,
vielen Dank, dass Sie sich an uns gewandt haben.
Es ist uns bekannt, dass die Abfallentsorger in einigen Städten und Gemeinden eine Entsorgung der Profissimo Biofolien Müllbeutel verweigern.

Die Entscheidung, die Entsorgung der Bioabfälle durch die Profissimo Biofolien-Müllbeutel zuzulassen, liegt bei den jeweiligen Entsorgern und kann von dm-drogerie markt nicht beeinflusst werden. Die Biofolien Müllbeutel entsprechen allen nötigen Vorgaben. Aus diesem Grund weisen wir auch auf der Verpackung unserer Biofolien Müllbeutel darauf hin: „Kompostierbare Biofolien Müllbeutel für eine hygienische Entsorgung von Bio-Abfällen im Hauskompost oder über die Bio-Tonne (wenn behördlich zugelassen).“

Wir empfehlen, gegebenenfalls auf die Profissimo Bio-Kompost Beutel aus Papier auszuweichen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr dm-ServiceCenter“

So richtig zufrieden bin ich mit dieser Antwort nicht. Mir kommt es ein wenig so vor, als ob der Ball von A nach B geschoben wird, nur leider sitze ich genau dazwischen.
Ich schaue mir jetzt die „Profissimo Bio-Kompost Beutel aus Papier „mal  genauer an.

Biotonne in Dresden – Was darf hinein

Anschießend habe ich die Seite unserer Stadtreinigung aufgerufen, um zu vergleichen, was denn nun alles bei uns in Dresden in die Biotonne darf. Warum das mal wieder nicht deutschlandweit einheitlich geregelt sein kann, will ich an dieser Stelle lieber nicht wissen 🙂 . Da steht Folgendes geschrieben:

Dresdner Stadtreinigung – Entsorgung – Bioabfall – Was darf hinein:
Bioabfall: Bioabfall ist Rohstoff. Bioabfälle enthalten wertvolle Nährstoffe und organische Substanzen, die nach einer geregelten biologischen Behandlung durch Kompostierung oder Vergärung den Pflanzen und den Böden als Dünger und Humus zur Verfügung gestellt werden können.
Die kommunale Sammlung erfolgt einmal wöchentlich in 80- 660 l Sammelbehältern. In der Stadt Dresden werden jährlich ca. 25.000 t Bioabfälle aus Haushalten erfasst.
Um eine qualitätsgerechte Verwertung zu garantieren wollen Sie bitte folgendes beachten:
In die Bioabfallbehälter gehören organische Küchen- und Gartenabfälle:

  • Obst- und Gemüsereste, Obstschalen (auch von Orangen und Grapefruit),
  • Kaffeesatz samt Filter,
  • Essensreste, Kartoffelschalen, verdorbene Lebensmittel und Eierschalen,
  • verwelkte Blumen, Topfpflanzen und Wildkräuter,
  • alte Blumenerde, Gartenabfälle (auch Rasenschnitt) Laub, Moos und zerkleinerte Äste, Heckenschnitt,
  • Haushalts- und Knüllpapier, Küchenpapier,
  • Nussschalen,
  • Haare,
  • Holzwolle von unbehandeltem Holz.

Beachten Sie, dass feuchter Inhalt in der „Braunen Tonne“ bei niedrigen Temperaturen im Winter an den Innenwänden und am Boden festfriert. Tipps, wie Sie das vermeiden können, finden Sie in unserer Rubrik Fragen und Antworten (FAQ).

Infografik Was darf in die Biotonne ausgefülltAnschließend habe ich ein kleines Ankreuz-Spiel in den dafür vorgesehenen Felder der Infografik gestartet und erhalte jetzt hoffentlich den Titel „qualifizierte Bio-Müll Entsorgerin in Dresden“. Jetzt nur nicht so bald umziehen, dann kann das schon wieder ganz anders aussehen. 😉

Müll trennen – in der Praxis

Aber mal ganz ehrlich. Seit dem wir unsere neue Küche haben, trennen wir unseren Müll besser als zuvor in Restmüll, Biomüll und gelbe Tonne Müll. Besonders erschüttert war ich nach einiger Zeit, dass der Müll für die gelbe Tonne mit Abstand am schnellsten voll ist, obwohl wir viel in der VG* einkaufen und wenig Umverpackungen mit nach Hause bringen. Es ist schon beängstigend, was alles wie oft verpackt ist.

Bei einigen Unternehmen habe ich auch den Eindruck, dass da keiner wirklich darüber nachdenkt und nach Alternativen sucht. Hier mal zwei Beispiele, die mir besonders negativ aufgefallen sind.

Samsung Netzkabel Adapter VerpackungEin Ladekabel von Samsung, edel verpackt ganz in weißem Kunststoff und innen noch ein weißer Plastik-Einleger. Das ginge sicher auch ganz ohne Plastik-Verpackung, liebe Samsung Manager. Auch deutsche Unternehmen setzen leider auf Verpackungen mit viel Kunststoff wie bei der Intenso Powerbank, ausgezeichnet mit dem reddot design award 2017, hoffentlich für das Design des Zusatzakkus und nicht für die Verpackung. Der Akku würde auch wunderbar in einem schicken Pappkarton aussehen, wenn der dann noch aus Graspapier wäre, dann gäbe es von mir noch einen zusätzlichen reddot design award für die umweltfreundliche Verpackung. Liebe Intenso GmbH, das wäre doch einen Versuch wert – oder!

Intenso PowerBank Verpackung
Das wollte ich schon längst mal gesagt haben. 😉

Biomüll richtig entsorgen – praktische Tipps

Zurück zum Biomüll, der bei unserem „Müllaufkommen“ an zweiter Stelle landet, auch das hat mich verwundert. Ich dachte bisher, dass der Restmüll an erster oder wenigstens zweiter Stelle steht.
Was will ich denn als „Expertin für Bio-Müll-Entsorgung“ noch besser machen als bisher.

1. Einige unserer Nachbarn sammeln den Bio-Müll beim Essen zubereiten gleich in einer Schüssel und leeren diese anschließend gleich in der Bio-Tonne, sehr vorbildlich! Das wäre eine Überlegung wert, bisher bin ich dazu zu faul, wie der Rest der Familie auch.

2. Bei dm gibt es auch Müllbeutel für die Biotonne aus Papier, die könnte ich probieren, wobei ich denke, dass die sehr schnell durchweichen. Erst einmal warte ich noch auf die Antwort von dm zu meiner Biomüll-Beutel Anfrage.

Dreifach Müll-Trennung3. Ich könnte aus den, gut gewaschenen, bunten Gemüseresten einen Gemüsefond kochen und dann weiter verwenden. Meist denke ich da erst zu spät dran.

4. Adina ist auch sehr vorbildlich, sie hat eine Wurmkiste auf ihrem Balkon stehen und macht ihren eigenen Kompost mithilfe von vielen Regenwürmern.

5. Waschbär hat einen Küchen-Komposter „Bokashi“ im Angebot, der aus Essenresten fermentiertes organisches Material herstellt.

Was darf in die Biotonne – mein Fazit

Wie ihr seht, gibt es immer noch Luft nach oben. Was habe ich nun bei den „Bundesweiten Aktionswochen zur Biotonne“ gelernt: Kompostierbare Abfallbeutel aus Biokunststoff gehören in Dresden nicht in die Bio-Tonne. Na immerhin, da hat sich die Aktion bei mir ja gelohnt. Bleibt nur noch die Frage: Wo bekomme ich jetzt mein Zertifikat als „qualifizierte Bio-Müll Entsorgerin in Dresden“ her? 😉

* Verbrauchergemeinschaft in Dresden

  • Wie steht es eigentlich bei euch so um den Müll, den Bio-Müll?
  • Schreibt und einfach, was ihr von einer solchen Aktion haltet?
  • Wisst ihr genau, was bei euch in die Biotonne darf?

Wir freuen uns auf eure Antworten und Kommentare!

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