Von itti, 21. Februar 2014

Livona im Gespräch mit Martina Gebhardt

Martina Gebhardt wurde auf der Biofach 2014 mit dem Demeter-Ehrenpreis ausgezeichnet. Livona hatte die Gelegenheit zu einem Gespräch. Wir haben Sie beglückwünscht und Antworten auf folgende Fragen erhalten:

Livona: Ihre Produkte sind sehr konsequent, wo gehen Sie Kompromisse ein?

Martina Gebhardt: Kompromisse sind ein Teil des täglichen Lebens. Es gibt sie ständig und sie sind Bestandteil eines normalen, natürlichen, organischen Wachstums. Unsere Produkte waren alle BDIH zertifiziert, aber um unsere Philosophie nach außen zu tragen, haben wir uns entschlossen, alle Produkte „Demeter“ zertifizieren zu lassen.

Foto von Martina Gebhardt auf der Vivaness 2014

Wenn wir einen Rohstoff nicht in Demeter-Qualität bekommen, z.B. bei Ernteausfällen, müssen wir Kompromisse eingehen und auf Bio-Qualität ausweichen. Das müssen wir mit unseren Zertifizierern besprechen und nachweisen, dann erhalten wir eine Ausnahmegenehmigung für ein Jahr. Wenn uns verschiedene Rohstoff-Qualitäten angeboten werden, entscheiden wir uns ganz konsequent für die Demeter-Qualität. Jedes Unternehmen hat seine eigene individuelle Philosophie und ist an unterschiedlichen Stellen konsequent und kompromissbereit.
Aber Kompromiss hört sich immer so negativ an, dabei kann ein Kompromiss positives bewirken.

Livona: Was halten Sie von endlosem Wachstum und ständig neuen Produkten?

Martina Gebhardt: Wachstum ist eigentlich eine Krankheit, weil es bedeutet, es würde nur einen Sommer geben. Zu jedem gesunden Rhythmus gehört ein Winter, zu jedem Tag gehört eine Nacht. Wir brauchen die Ruhephase, wo wir uns nach innen kehren, um zu regenerieren. Wenn wir uns nicht regenerieren können, was eigentlich ein Wachstum nach innen ist, sind wir ausgelaugt. Das sieht man ganz oft, da passiert ein wahnsinniger Pusch nach außen und auf einmal bricht die Struktur innen zusammen.

Messestand von Martina Gebhardt Naturkosmetik

Deshalb kann man es so machen wie die tropische Vegetation, die keinen Winter und keinen Sommer hat, die die Blätter nach außen treibt und gleichzeitig Blätter, die auf dem älteren Astteil sitzen, abwirft. Da ist ständig ein Kommen und Gehen. In unseren Breitengraden haben wir den Zeitenwechsel von Sommer zu Winter, es ist alles Grün oder alles weg. Man kann sich die Antworten auf solche Fragen sehr gut aus der Natur abschauen. Bei einem organischen Wachstum muss ein Teil auch in die innere Regeneration gehen.

Livona: Wie konsequent ist Ihre Verpackungsphilosophie?

Livona: Sie setzen bei der Verpackung ihrer Naturkosmetik auf Glas, weil Glas der einzige Stoff ist, bei dem keine Inhaltsstoffe in das Produkt übergehen können. Seit einiger Zeit werden die Cremes mit einer Alufolie verschlossen, warum?

geöffneter Tiegel Salvia mask mit Alusverschluss

Martina Gebhardt: Der Alu-Verschluss ist nicht ideal. Daher arbeiten wir an einer anderen Art der Versiegelung.

Livona: Wie viel Pflege braucht der Mensch?

Martina Gebhardt: Weniger ist immer besser. Wir sehen am Hautbild, dass wir mehr und mehr überpflegte Haut haben, die eigentlich krank gemacht wurde. Zudem gibt es ganz verschiedene Hauttypen. Angefangen von trockener und empfindlicher Haut, reifer und anspruchsvoller Haut, fettiger und unreiner Haut und besonders sensibler Haut. Nicht zu vergessen, spiegelt sich auch unsere Ernährung im Hautbild wieder.

BesucherInnen am Martina Gebhardt Stand

Man sollte seiner Intuition vertrauen, wie beim Essen, was schmeckt mir, was schmeckt mir nicht und versuchen eine Annäherung zu finden, was meiner Haut gut tun könnte. Sie müssen Naturkosmetik ja nicht essen, aber daran riechen, mögen Sie den Duft oder nicht, so kann man für sich die geeignete Naturkosmetik finden.

Livona: Was halten Sie von der Vielzahl der Naturkosmetiksiegel?

Martina Gebhardt: In Deutschland ist die Situation fast ideal, weil die Deutschen Informationen wollen und sich mit den unterschiedlichen Siegeln beschäftigen. Sie gehen dafür auch ins Internet, um heraus zu finden, was ist Demeter, BDIH oder Ecocert. Dies ist in den USA anders. Dort lässt man sich sehr durch das Äußere eines Produktes blenden. Natürlich sehe ich auch, dass es immer mehr Zertifikate gibt und die Differenzierung schwieriger wird. Ich setze da auf die Informationslust der Deutschen, die wollen es genau wissen und treffen dann ihre Kaufentscheidung.

Livona: Sind Inhaltsstoffangaben in Deutsch denkbar?

Martina Gebhardt: Es geht nicht Inhaltsstoffangaben für Kosmetik nur in Deutsch anzugeben, da die Deutsche Sprache eine Auslegungssprache ist. Die INCI Angaben sind ein Teil der Branchensprache der Apotheken, die dem Lateinischen angelehnt ist. Sie dienen der eindeutigen Bezeichnung eines Bestandteils in der Kosmetik, weil sie häufig auch klinisch angewendet wird und man die genaue Zusammensatzung wissen muss, um die richtige Wahl zu treffen. Es gibt aber ausreichend Informationsmöglichkeiten in Büchern oder dem Internet, wo die INCI genau und verständlich beschrieben werden.

Aufsteller mit Naturkosmetik Happy Aging

Livona: Wie sehen Sie die Zukunft der Naturkosmetik?

Martina Gebhardt: Diese Frage können Sie mir doch besser beantworten als ich.
Livona: Wir würden uns das wünschen, dazu muss man sich aber mit dem Thema Naturkosmetik beschäftigen, das machen aber nur Interessierte. Zum anderen ist der Anteil konventioneller Kosmetik in Drogeriemärkten oder Kaufhäusern gegenüber Naturkosmetik viel größer. Nicht zu vergessen die Kosmetik-Werbung.

Martina Gebhardt: Es gibt die Leute, die nach Duft und Aussehen gehen, das riecht gut – das kaufe ich. Dann gibt es die Leute, die mit Brille, Lupe oder Smartphone am Kosmetikregal stehen und sich genau über das Produkt und die Inhaltsstoffe informieren. Inzwischen gibt es Naturkosmetikläden in denen Regalmeterweise die ganze Palette an Naturkosmetik angeboten wird, das Angebot ist da. Wir erreichen alle, die sich für Naturkosmetik interessieren. Manchmal auch die Springer, die von Produkt zu Produkt wechseln. Das ist aber auch gut so, die konventionelle Kosmetik ist z.B. stark Wirkstoff basiert. Wenn Sie Fältchen in 5 min glätten wollen, finden Sie dort sicher das richtige Produkt.

Wir haben uns über das offene Gespräch mit Martina Gebhardt gefreut und waren von der ausgesprochenen Toleranz beeindruckt. Auf diesem Weg möchten wir uns für das interessante Interview ganz herzlich bedanken.

neu Gesichtsmaske Salvia mask von Martina Gebhardt

Was gibt es Neues bei Martina Gebhardt Naturkosmetik: Zum einen ab März die SALVIA mask, eine Gesichtsmaske für unreine und großporige Haut und ab Juni die ALOE VERA Face Lotion, die leichtere Variante der ALOE VERA cream.

Wollen Sie noch mehr über die Geschichte und Philosopie von Martina Gebhardt Naturkosmetik erfahren lesen Sie hier weiter.

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